Das Mechtronik-Piano betritt die Bühne

Der erste Blick verrät: Das neue MPiano von Alpha-Pianos besteht fast nur noch aus Tasten!

Ein Blick auf die Klaviatur des MPIANOS

Tatsächlich ist das Design beeindruckend. Stammt es von Apple? Nein, von Porsche-Design. Das M von MPiano steht für MECHATRONIK. Was kann es? Lassen Sie uns ins Detail gehen!

Die Stärken des MPianos liegen vor allem in der Spielart. Das ist für ein digitales Instrument natürlich erstaunlich. Der Schlüssel liegt in den neuen Eigenschaften der Mechatronik. Diese ermöglichen nämlich über die Authentizität des Spielgefühls hinaus, dass man die Spielart der Klaviatur dem jeweiligen Klangschema oder auch den eigenen Wünschen anpassen kann! Was heißt das? Laut Hersteller kann man die Spielart einstellen wie bei einem Klavier, Synthesizer oder entsprechend der eigenen Wünsche hinsichtlich Gängigkeit/Gewichtung/Tastentiefgang... Nein, ganz so weit gehen die Einstellungsmöglichkeiten sicherlich nicht. Sie beschränken sich vermutlich auf den Widerstand und somit auf die Gewichtung beim Anschlagen der Taste. Wie kann so etwas gehen, dass die Spielart per App (bereits erhältlich für iOS und Android) und somit per Fernsteuerung veränderbar ist? Wie schon erwähnt, ist das eine Leistung der Mechatronik. Das Element unter der Taste nennt man Aktor (auch Aktuator genannt). Der Aktor ist das Gegenstück zum Sensor. Der Sensor ermittelt einen Ist-Stand. Der Aktor stellt dann je nach Eingabe an der App den Widerstand unter der Taste so ein, dass uns die Klaviatur eines solchen Mechtronik-Pianos das erwünschte Spielgefühl vermittelt. Hier finden Sie die verschiedenen Einstellungmöglichkeiten per App.

Das Mechatronik-Piano von Alpha-Pianos verspricht somit gerade hinsichtlich der Klaviatur im Wesentlichen die gleichen Leistungseigenschaften, die wir von der herkömmlichen Klaviatur im Flügel gewohnt sind - ohne dabei auf die vorher vorgestellte übliche Lösung der Integration einer physikalischen Mechanik in das digitale Hybridpiano zurückzugreifen! Und das MPiano kann einiges mehr:

In jeder einzelnen Tasten sind optische sowie kapazitive Sensoren verbaut. Im Zusammenspiel mit MIDI und MPE ist das jener Mehr-Wert, den wir gesucht haben, denn die Tasten haben wie soeben beschrieben berührungs-sensitive Oberflächen mit mehrfachen Eigenschaften, so genannte Multi-Touch-Keys. Sie erlauben es, die Position und Bewegung der Finger auf den Tasten zu analysieren und zu registrieren.

Nun fällt es Ihnen ein: Alpha-Pianos? Davon haben wir doch gerade etwas gelesen? Richtig. Ich habe Ihnen den Hersteller Alpha-Pianos GmbH als Hersteller Modells Studio, des meiner Ansicht nach besten digitalen Hybridpianos der Kategorie mit nur einer digitalen Klangquelle vorgestellt. Man nennt es wegen dem neu entwickelten Sensor, der die Anschlagsintensität eines echten Filzhammers als Teil einer echten Flügelmechanik auf einem zu Saiten identischen Widerstand misst, Sensor-Piano, Nun folgt also bereits die nächste Sensation aus diesem Haus, das Mechatronik-Piano. Es handelt sich um ein Hybridpiano der gleichen Kategorie, also nur mit einer digitalen Klangquelle, aber ohne eine herkömmliche Mechanik zur Optimierung des Spielgefühls. Stattdessen wird das Spielgefühl mechatronisch angeglichen.

Das Mechtronik-Piano, oder kurz MPiano funktioniert weitgehend drahtlos. Der Klangerzeuger dürfte beliebig wählbar sein. Die DAW (Digital Audio Workstation) muss nur zur Verarbeitung des für das Ausdrucksspiel neuen Datenformats MPE fähig sein. Die Einstellungen werden über eine App auf einem iPad geändert. Das MPiano ist zwar noch nicht zu kaufen. Doch die Preisspanne ist schon bekannt: Sie liegt zwischen 6.000 und 10.000 Euro.

Im folgenden Video sehen Sie, wie der Autor Karasek ganz begeistert das MPiano im Porsche-Design auf der Musikmesse 2016 vorstellt - ohne einen einzigen (wirklich hörbaren) Ton auf dem Instrument zu spielen. Das ist gerade aufgrund des umfangreichen Lobs erstaunlich. Daher liefere ich im übernächsten Video zumindest ein kurzes Soundbeispiel nach.

Tatsächlich habe ich bislang nur diese kurze Sequenz gefunden, auf der das MPiano gespielt wird. Immerhin ist diese Sequenz von dem Youtube-Kanal von Muzykujkropka aufgenommen, über den sehr viele neue Tasteninstrumente vorgestellt werden.

Somit stellt sich die Frage: Wer steht hinter Alpha-Pianos? Wer ist der Entwickler und Erfinder des MPianos? Wo kommt er her? Welche Beziehung hat er zum Klavierbau?

Mario Aiwasian – ein Erfinder unter den Klavierbauern

Das hatte ich schon nicht mehr zu hoffen gewagt, dass es unter den Klavierbauern noch einen wachen Geist gibt, der ernsthaft nach zeitgemäßen Lösungen sucht. Mario Aiwasian war vor der Gründung von Alpha-Pianos GmbH bei Bösendorfer. Dort war er unter anderem beteiligt an der Entwicklung des Selbstspielers CEUS. Er bewies Weitsicht, als er 2006 und somit kurz vor dem Verkauf von Bösendorfer an Yamaha den Wiener Klavierbauer verlassen hat, um Alpha-Pianos zu gründen. Dort hat er zuerst das meiner Ansicht nach beste Digitalklavier Studio mit vollständiger Flügelmechanik sowie das Modell Grand entwickelt. Schon 2015 wurde auf der Musikmesse in Frankfurt das MPiano vorgestellt. Betrachtet man die neuen Alpha-Pianos, so würde ich der ganzheitlichen Leistung von den Detaillösungen bis hin zum Design das höchste Lob aussprechen. Interessant ist folgende Parallele zu Leonardo da Vinci: Auch Mario Aiwasian hatte wohl von den Einschränkungen der Klaviatur gehört. Als Klavierbauer fühlte er sich herausgefordert und machte sich auf die Suche nach zeitgemäßen Lösungen, die möglichst nahe an der Wirklichkeit des Pianofortes liegen. Die Zeit der Konzertbetreuung bei Bösendorfer war für ihn eine ausgezeichnete Basis für die Suche nach den besten Lösungen.

Der nächste Schritt: Marketing

Bislang ist also alles gut. Fast alles. Meine Kritik beginnt beim schlechten Bekanntheitsgrad. Wenn man nicht aufmerksamer Besucher der Musikmesse ist, dann gehen die hier präsentierten Neuigkeiten doch glatt an einem vorüber. Zwar gibt es bei Alpha-Pianos einen Zuständigen für Verkauf. Aber ich konnte nirgends eine Möglichkeit finden, um eines der Alpha-Pianos zu kaufen. Auf der Homepage selbst wirbt man mit Stars unter den Musikern. Prince hatte das Modell Grand leider zu spät bestellt. Der Künstler verstarb zu früh. Das Modell Grand konnte für Alpha-Pianos keine Werbewirksamkeit mehr erlangen. Also bewirbt man andere Künstler. Ein scheinbar raffinierter Weg des Marketings:

Man versucht gar nicht erst, den Endkunden zu bewerben, sondern möchte über bekannte Musiker eine Sogwirkung im Markt auszulösen.

Dazu muss ich feststellen: Diese Strategie hat Hohner auch mit Stevie Wonder und dem Clavinet verfolgt. Ohne Erfolg. Denn Hohner hat sich 2014 selbst an die taiwanesische Firma KHS Musical Instruments verkauft. Diesen mit einem schlechten Image verbundenen Deal hat man versucht, durch die KHS-Tochtergesellschaft HS Investment zu kaschieren.

Ist-Stand 2017: Laut der Homepage von Alpha-Pianos verfügt man über eine umfangreiche Führungsriege. Doch wirft man einen Blick ins österreichische Firmenregister so findet man dort die Information, dass Alpha-Pianos nur 3 Mitarbeiter hat. Vergangenes Jahr wurden 10 Instrumente exportiert. Vor diesem Hintergrund muss man davon ausgehen, dass das edle Porsche-Design des MPianos längst veraltet ist, wenn es erst einmal in unseren Wohnzimmern angekommen ist.

Aus Sicht des Marketings folgt man bei Alpha-Pianos möglicherweise dem Weg von Feurich (Wien): Das Design und Marketing stammt aus Österreich. Die Produktion wird jedoch augelagert nach China. Vorstellbar ist auch, dass man das gesamte Konzept an einen Klavierhersteller veräußert, der dann aller Wahrscheinlichkeit auch in Asien zu Hause ist. Dass man von Alpha-Pianos offensichtlich gar nicht versucht, eine Produktion aufzubauen, werte ich als ein Indiz dafür, dass man in diese Richtung plant.

Update 26.07.2017: Das MPiano geht in die Produktion - falls es über eine Kickstarter-Kampagne ausreichend Aufträge sammeln kann. Dann würde die Produktion im Februar 2018 starten. Die Auslieferung wäre demnach ab Juni 2018. Und wie sieht es mit dem Preis aus? Wer die Kampagne unterstützt wird mit einem Rabatt belohnt. 8.000 Euro für eine Mini-Serie sollen 35% günstiger als der spätere Endpreis sein. Das liest sich verlockend. Aber: Sie finden bei Kickstarter eine Kampagne, die mich nicht begeistert. Sie enthält kein einziges offizielles Video, das mir das Potenzial des Superpianos derart vermittelt, dass ich es unbedingt haben will. Das beste Klangbeispiel ist eine Sound-Datei. Warum wurde diese Sound-Datei nicht als Video eingespielt? Muss das MPiano etwas verstecken? Mir drängt sich die Frage auf: Ist Pianomarketing wirklich so schwierig? Ist das MPiano dabei, ein Flop zu werden? Das Gegenteil, nämlich einen durchschlagenden Erfolg, würde ich dem MPiano und Mario Aiwasian wünschen!

Trauerstimmung breitet sich aus. Nun haben wir von neuen phantastischen Lösungen gelesen und gehört. Aber diese scheinen auf längere Sicht für den breiten Markt nicht verfügbar zu sein. Wenn uns aber der Weg über die Produktion in China nicht passt, welche Alternativen haben wir dann? Bis hierher sind wir schon ziemlich weit gemeinsam gegangen. Kommen Sie noch einen Schritt mit. Lassen Sie sich ermutigen, sich Ihr eigenes Hybridklavier zu bauen, indem Sie Ihr gutes altes Akustikpiano in seinen Möglichkeiten entscheidend erweitern. Denn die gute Nachricht lautet: Das scheinbar Unmögliche ist machbar!